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Rentner mit Würde gestorben

Artikel vom 10.03.2012

1000 Wege um ins Gras zu beissen. (Update)

Mein Nachbar zeigte mir neulich auf einem bekannten Videoportal von Google, Ausschnitte der DMAX Serie „1000 Wege um ins Graß zu beissen“.

Die Serie zeigt irre und unglaublich Stories die vom Tod anderer Leute handeln. Die nun folgende Geschichte ist bei weitem nicht so abgedreht wie die Tode der Leute, in der DMAX Serie, aber wenigstens 100 % wahr und erzählenswert.

In einem kleinen verschlafenen Örtchen, in der Nähe von Schwäbisch Hall, lernte ich einen Rentner kennen. Das Dorf hatte eine Antennengemeinschaft. Die einfache Aufgabe des Rentner war es, alle 6 Monate die 200 Bewohner aufzusuchen und die Rechnung einzuholen. Er schrieb, nicht pedantisch - eher akkurat oder minuziös, die genau Summe und den Namen des Teilnehmers auf eine kleine Rechnung und warf diese in den Briefkasten. Hier handelte es sich um eine Summe von ca. sechs oder sieben Euro. Die meisten Dorfeinwohner gaben ihm das Geld bar.

Früher betreute der Rentner eine winzige Volksbank-Filiale. Einen Schalter, einen Safe, und ca. 10 Zettelchen wie Überweisungen oder Einzahlungen zum handschriftlichen ausfüllen. Selbst Jahre nach seiner Pension, war das Stübchen noch sauber und alles an seinem alten Platz. Vollständig einsatzbereit und gepflegt. Man hatte den Eindruck, als ob es sich die Volksbank nochmal überlegen würde und die Filiale morgen ein Wiedereröffnung feierte.

Die Geschäftszeiten inklusive der ganzen Gründe, warum die Filiale gerade geschlossen hatte: „Kuh kalbt“, „Erntezeit“, „Feuerwehreinsatz“, „Tante Gerda“, „Gemeine-Sitzung“ usw. , hingen ebenfalls adrett und ordentlich an der Wand. Der Mann funktionierte selbst in seiner Rente wie ein Uhrwerk. Ein kleiner und ruhiger Zeitgenosse immer mit einem leichten Lächeln im Gesicht. Morgens und am Abend sein Spaziergang und nachmittags Kaffee und Kuchen vor dem Haus im Garten.

Jeden Dienstag im Bürgerhaus kam er mit den gleichen Freunden, trank exakt 2 Gläschen Rotwein, unterhielt sich mit allen über immer wieder dieselben Themen, nur jahresbedingt. Und um 22.00 Uhr ging es, nach einer allgemeinen Verabschiedung ab nach Hause. Eines Tages gab es mal keinen Rotwein, als er so ca. 5 Minuten, darüber nachdachte was er wohl nun trinke, entschied er sich für ein Glas Wasser, trank es und machte sich gleich auf den Heimweg.

Die letzten Tage des Mannes und der Grund dieser Geschichte

Bei seinem letzten Arztbesuch, erfuhr der Rentner, dass der Krebs nun so weit fortgeschritten sei, dass seine letzten Tage kommen würden. Er nickt dem Doktor zu, wünschte ihm ein gesundes und langes Leben und verließ die Arztpraxis. Der Rentner ging heim zu seiner Frau und berichtet Ihr über seinen aktuellen Gesundheitszustand. Er holte sein Schreibzeug und kontrollierte sein Testament und schrieb seine Grabrede für den Pfarrer und regelte seine Finanzen.

Am zweiten Tag ließ er seinen besten Anzug reinigen, ging zum Frisör für einen letzten ordentlichen Haarschnitt, und räumte tagsüber noch hier und da ein paar Sachen zusammen. Er erledigte in diesen zwei Tage alle Aufgaben, die sein Leben und Ableben betrafen. Verabschiedete sich von seiner Familie und seine Freunden und ging abends mit seiner Frau essen.

Der Rentner schlief nachts am zweiten Tage danach ein und wachte nie mehr auf. Alles bei seiner Beerdigung lief exakt so wie er es zuvor geplant hatte. Respekt, sag ich da!

Artikel Abrufe: 3761 | Autor: Redaktion suche-privat.de